Luftreiniger oder Lüften: Was schützt besser vor Corona?

Eine gute Luftqualität mit möglichst geringer Aerosolkonzentration schützt uns in geschlossenen Räumen vor einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus. Darin sind sich führende Virologen, Epidemiologen, Hygieniker und Wissenschaftler mittlerweile einig. Uneinigkeit herrscht hingegen bei der Frage, wie sich eine mitunter infektiöse Aerosollast in der Raumluft bestmöglich reduzieren lässt. Während nun doch immer mehr Bundesländer die Klassenräume mit Blick auf den Winter mit geeigneten Hochleistungsluftreinigern ausstatten, weil die Neuinfektionszahlen an den Schulen nun doch stetig steigen, behaart das Umweltbundesamt auf seinem bisherigen Standpunkt, dass Luftreiniger die freie Lüftung keinesfalls ersetzen könnten.

Mantra des Umweltbundesamtes: Lüften, lüften, lüften

Das Umweltbundesamt und auch die Kultusministerkonferenz werden nicht müde zu predigen, dass klassisches Lüften mit offenen Fenstern die derzeit beste Lösung sei, um luftgetragene Aerosole in geschlossenen Räumen zu verdünnen und so das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Unterstützt wird diese These unter anderem von Professor Dr.-Ing. Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Institut an der TU Berlin.

Wissenschaft widerspricht: Luftreiniger sind wirksamer als offene Fenster

Eine absolut konträre Meinung zum Lüften hat Prof. Dr. Christian Kähler, Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München. Christian Kähler zählt zu den größten Kritikern des Umweltbundesamtes und wird nicht müde zu erläutern, warum das Mantra „Lüften, lüften, lüften“ nicht nur falsch sondern sogar „totaler Quatsch“ sei. Der vom Umweltbundesamt angeführte Luftwechseleffekt bei geöffnetem Fenster trete nur unter Idealbedingungen ein, die in der Praxis jedoch nur selten gegeben seien. Freies Lüften biete demnach nur ein Minimum an Sicherheit, während ein geeigneter Hochleistungsluftreiniger wie der TAC V+ von Trotec die Konzentration von Aerosolpartikeln im Raum innerhalb von 10 Minuten halbieren und binnen 60 Minuten sogar auf unter 10 Prozent senken könne.

Ein hoher Schutz vor potentiell infektiösen Aerosolen – der sich nach Meinung Kählers mit freier Lüftung nicht erzielen ließe. Mit offenen Fenstern und günstigen Raumbedingungen halbiere sich die luftgetragene Virenlast erst nach 30 Minuten. Die Lüftung mit offenen Fenstern senke die Aerosolkonzentration nicht nur langsamer als geeignete Raumluftreiniger, zudem würde auch ohne Not eine Menge an Heizungsenergie verschwendet, argumentiert Christian Kähler weiter.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt bestätigt: Lüften bringt nicht den gewünschten Erfolg im Kampf gegen das Coronavirus

Unterstützung erfährt der Münchner Aerosol-Experte Kähler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das erst kürzlich in einer Untersuchung nachgewiesen hat, dass Lüften nicht den erwünschten Erfolg erzielt. Auch die Technische Universität Delft aus den Niederlanden kommt nach zahlreichen Tests und einem Vergleich aller Lüftungsmöglichkeiten zum Ergebnis, dass die Stoßlüftung nur einen vergleichsweisen geringen Luftaustausch ermögliche, während ein Hochleistungsluftreiniger in nahezu allen Tests am schnellsten die Aerosolkonzentration reduzierte.

Welche Folgen hat der Richtungsstreit der Forscher?

Wie der Richtungsstreit der Wissenschaftler und Ministerien ausgeht, dürfte insbesondere für die Schulen und Restaurants folgenreich sein. Im kalten Winter sind offene Fenster weder für den Unterricht in den Klassenräumen zuträglich, noch werden sie dem „Italiener um die Ecke“ einen Kundenansturm bescheren. Dabei hatte sich insbesondere die Gastronomie aufgrund positiver Signale aus den Wirtschaftsministerin frühzeitig auf den kommenden Winter vorbereitet und in mobile Luftreinigungsgeräte investiert. Umso verständlicher ist die nun laut werdende Kritik der Gastronomen, die trotz wirksamer Infektionsprävention erneut schließen müssen. Obgleich die neuesten Fakten und Studien eine eindeutige Sprache sprechen und Hochleistungsluftreiniger in der aktuellen Corona-Pandemie das Gebot der Stunde zu sein scheinen. Warum sich das Umweltbundesamt dennoch so sehr gegen diese technische Lösung als Infektionsschutz stellt, bleibt nach wie vor ein Rätsel.

Einen aktuellen Überblick über neue Studien und Forschungsergebnisse rund um das Thema Lüften oder Luftreinigung erhalten Sie auf unserer tagesaktuellen Informationsseite „Lüften oder Luftreinigung?“.

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