Wie sicher ist der Schulunterricht für Kinder in Pandemie-Zeiten? Aerosolforscherin Birgit Wehner sieht im Einsatz von mobilen Luftreinigern eine sinnvolle Maßnahme, um Schulschließungen zu verhindern.

„Kein Ort ist so sicher wie die Schulen. Es ist bewiesen, dass die Infektionsrate in der Häuslichkeit vier bis sechs Mal höher ist als in der Schule. Die Schulen bleiben deshalb geöffnet. Präsenzunterricht ist die beste Garantie für Bildungs- und Chancengleichheit.“, twitterte Simone Oldenburg kürzlich auf ihrem Twitter-Account. Eine Äußerung, die viele Wissenschaftler, Aerosolforscher aber auch Eltern und Lehrern in Erstaunen versetzt.

Hohe Inzidenz bei Kindern im Alter von 5 bis 14 Jahren

Fakt ist: Die vierte durch die Delta-Variante geprägte Corona-Wellt trifft insbesondere die ungeimpften Kinder in den Schulen hart. Nach wie vor steigen die Infektionszahlen in Deutschlands Schulen weiter an. Nach Angaben der Kultusministerkonferenz wurden in der KW 47 (22. November bis 28. November) 93.487 Schüler positiv auf das Coronavirus getestet. In der Folgewoche KW 48 (29. November bis 05. Dezember) waren es bereits 102.991 registrierte Fälle. Das Robert Koch-Institut gab für dieselbe Woche eine Inzidenz von 951,19 bei den Fünf- bis Neunjährigen und eine Inzidenz von 1020,4 bei den Zehn- bis 14-järigen an. Nahezu doppelt so viele Infektionen im Vergleich zum Bevölkerungsschnitt mit 462,99 Infektionen im besagten Zeitraum.

Kinder sind aufgrund fehlender Impfung besonders gefährdet

Hajo Zeeb, Wissenschaftler am Bremer Leibnitz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie erklärt die Ursachen: „Hier gibt es viele nicht geimpfte Menschen“. Die durchschnittliche Größe einer Schulklasse beträgt 25 Personen, die infiziert sein könnten. Aufgrund der fehlenden Schutzwirkung durch Impfstoffe sei hier das Ansteckungsrisiko daher erheblich höher, als beispielsweise im privaten Umfeld.

Schulen mit mobilen Luftreinigern in den Klassen sind besser geschützt

Auch Aerosolforscherin Birgit Wehner vom Leipnitz-Institut für Troposphärenforschung, die zugleich Generalsekretärin der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) ist, mag sich der Meinung Oldenburgs nicht anschließen wollen: „Dass Schulen der sicherste Ort überhaupt sind, finde ich etwas mutig formuliert“, erklärt sie. Wehner rät zur Differenzierung, da längst nicht alle Schulen und Klassenräume über vergleichbare Schutzmaßnahmen verfügen würden. Ob der Präsenzunterricht in einer Schule wirklich sicher sei, hänge entscheidend davon ab, ob zum Beispiel mobile Luftreiniger oder Plexiglas-Trennwände mit Aerosolschutzkante in den Klassenräumen installiert seien, was an vielen Schulen nach wie vor nicht der Fall sei. Obgleich Forschungsgesellschaften, Universitäten wie die Goethe-Universität in Frankfurt und allen voran die Universität der Bundeswehr München bereits sehr früh in der Corona-Pandemie die Wirksamkeit mobiler Hochleistungsluftreiniger getestet und deren Wirksamkeit zum Schutz vor einer Corona-Infektion wissenschaftlich fundiert belegt hätten.

Nach Wehners Auffassung könne „eine Kombination aus Masken, Lüften und Luftfiltern in der richtigen Anwendung das Infektionsrisiko stark eindämmen“, wie es auch Professor Dr. Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in seinem Corona-Schutzkonzept für Schulen empfiehlt. Sie verweist auf Fälle, bei denen ein Schüler nachweislich infiziert gewesen sei, es ab keine Übertragung auf die anderen Schüler im Klassenverband gegeben habe. Dies sei jedoch nur möglich, wenn alle Kinder dauerhaft Masken im Unterricht tragen würden und/oder die Virenlast im Raum ausreichend durch Lüftungsmaßnahmen oder mobile Luftreiniger gesenkt würden. Das sei in der allgemeinen Schulpraxis aufgrund unterschiedlicher Schutzmaßnahmen aber keine Selbstverständlichkeit.

Kinder-Masken und Stoßlüftung sind keine Lösung – sondern Teil des Problems

Eine kürzlich von Stiftung Warentest durchgeführte Untersuchung von Kinder-FFP2-Masken hat gezeigt, dass nahezu alle getesteten Kinder-Masken ungeeignet sind. Die Kinder bekommen durch die Masken nur schwer Luft, weshalb die Masken im schlechtesten Fall abgenommen oder nicht korrekt angelegt werden. Selbst wenn dies im Unterricht durch die Lehrer unterbunden wird, werden die Kinder spätestens in der Mensa oder im überfüllten Schulbus die Masken ablegen oder nicht ordnungsgemäß tragen.

Auch in der Stoßlüftung der Klassenräume sieht Aerosolforscherin Wehner eine Ursache der hohen Infektionszahlen. Der notwendige Luftaustausch, um virenbehaftete Aerosole in der Luft des Klassenraumes wirksam zu reduzieren, werde in der Praxis nie vollständig erreicht. „Wer ausschließlich aufs Lüften setzen, wird keinen Erfolg haben“, mahnt auch Professor Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr München: „das funktioniert schon rein physikalisch nicht“. Kähler ist ein international anerkannter Experte für die Erzeugung, Verdunstung, Ausbreitung und Vermischung von Aerosolen im Raum. Um einen ausreichenden Luftaustausch durch geöffnete Fenster zu realisieren, müsse draußen entweder ein erheblicher Wind herrschen, beschreibt Kähler das Problem der Fensterlüftung,. Oder es müsse ein deutlicher Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen bestehen, „das funktioniert aber nur ein paar Minuten, dann ist der Raum so stark abgekühlt, dass kaum noch ein Luftaustausch stattfindet“. Genau das habe er auch den Kultusministern bei ihrer Sondersitzung zu den Schulen erklärt, erklärt Kähler mit Blick auf die Lüftungsempfehlungen der Kultusministerkonferenz.

Wie sicher der Präsenzunterricht in Corona-Zeiten sei, hänge also entscheidend davon ab, wie viele wirksame Maßnahmen kombiniert und „richtig angewendet werden“, erklärt Aerosolforscherin Wehner.

Das Idealszenario für einen sicheren Schulunterricht sieht Wehner wie folgt:

  • Konsequente Maskenpflicht im Unterricht
    Allerdings müssten dafür erst einmal geeignete Kinder-FFP2-Masken verfügbar sein.
  • Raumluftfilteranlagen im Klassenraum
    Fördergelder für die Anschaffung von mobilen Luftreinigern halten Bund und Länder für die Schulträger bereit. Es wird jedoch nur zögerlich abgerufen.
  • Engmaschiges Testkonzept
    Nur wenn infizierte Kinder frühzeitig erkannt werden, kann eine Ausbreitung des Virus unterbunden werden.
  • Erhöhung der Impfquote ab elf Jahren
    Der Weg für die Impfung von Kindern ist geebnet. Nun sind die Eltern gefordert.

Schulschließungen kann und will Aerosolforscherin Wehner nicht ausschließen, da es nie eine vollständige Sicherheit an Schulen geben werden. Jedoch könne man das Ansteckungsrisiko in den Klassenräumen durch geeignete Maßnahmen spürbar senken. Je mehr wirksamen Maßnahmen umgesetzt würden, desto größer sei die Chance auf einen sicheren Präsenzunterricht. Die Schließung von Schulen könne nur der finale Schritt sein, wenn alle anderen Maßnahmen ausgereizt seien.

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