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Hans Arendse aus dem niederländischen Amersfoort bei Utrecht hat für seine große Leidenschaft seinen gut bezahlten Marketing-Job aufgegeben. Seit zehn Jahren macht er Thermografie-Aufnahmen von Pferden, um Entzündungen und Verletzungen bei den Tieren zu finden. „Ich bin glücklich, auch mit weniger Geld“, sagt er heute. Im Trotec Interview erklärt Arendse uns, was ihn antreibt, welche Hürden er bereits genommen hat und welche er auf seinem weiteren Weg noch überwinden muss.

Herr Arendse, Sie benutzen seit etwa zehn Jahren Thermografie-Kameras, um Pferde zu untersuchen. Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen?
Damals habe ich in einer Universität gesehen, wie Menschen damit untersucht wurden. Zu dieser Zeit habe ich mich schon viel mit Pferden beschäftigt, habe es ausprobiert und gesehen, dass es auch dabei funktioniert. Dann stellten sich die nächsten Fragen: Wie fangen wir an und fangen wir überhaupt damit an? Investieren wir in eine Kamera? Denn allein der Preis des Gerätes lag bei 25.000 Euro.
Wir haben uns damals dafür entschieden und dann lief alles irgendwie von ganz alleine weiter. Heute arbeiten wir professionell in diesem Bereich und bieten für Interessenten seit 2011 sogar Schulungen an. Die sind auch gut besucht.

Aus welchen Bereichen kommen die Teilnehmer?
Aus allen Bereichen, die mit Pferden zu tun haben. Es sind Leute, die sich für Pferde interessieren, ob Reiter oder Pferdewirt, aber natürlich auch Tierärzte, die mit Thermografie arbeiten oder damit arbeiten wollen.

„Mit Thermografie verdient man nicht so viel Geld. […] Deshalb sind Tierärzte mit dieser Methode nicht einverstanden.“

Auch meine Kollegin Drs. Karin van Aalten-Leibbrandt ist zertifiziert und untersucht täglich Pferde mit Thermografie und wir kennen noch zwei weitere Tierärzte, die diese Technologie regelmäßig einsetzen. Andere wiederum verwenden diese Methode als letzte Möglichkeit, wenn sie mit allen anderen Untersuchungen nichts finden konnten. Andersrum wäre es zwar zeitlich effizienter, aber hier geht es um Geld. Mit Thermografie verdient man nicht so viel.

Um wie viel Geld geht es hier genau?
Wenn ein Tierarzt ein gesundheitliches Problem finden soll, führt er alle nur erdenklichen Untersuchungen durch. Insgesamt kommt man damit schnell auf Kosten

Hans Arendse bei der thermografischen Aufnahme eines Pferdes

Hans Arendse bei der thermografischen Aufnahme eines Pferdes

zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Schließlich muss ja auch die Klinik mit all den teuren Instrumenten und den Ärzten bezahlt werden. Erst, wenn der Tierarzt bei der letzten Untersuchung noch nichts gefunden hat, verwendet er die Thermografie-Kamera. Und ich mache eine solche Untersuchung für gerade mal 150 Euro.
Deshalb sind Tierärzte mit dieser Methode nicht einverstanden. Ich beschäftige mich jetzt seit zehn Jahren damit und seit zehn Jahren ist es ein ständiger Kampf. Der hat sich aber in meinen Augen gelohnt, denn im Moment sehe ich, dass sich der Trend umkehrt. Immer mehr Tierärzte empfehlen den Tierhaltern thermografische Untersuchungen. Mittlerweile gibt es hier in Holland sogar einige Kliniken, die eine Zusammenarbeit mit uns anstreben und so kommen wir wieder einen Schritt weiter.

Das klingt nach einer ganzen Menge Arbeit und viel Geduld. Und es wird noch viel mehr, weil Sie ja nicht nur den Paardenservice haben, sondern insgesamt drei unterschiedliche Betriebe. Bitte erklären Sie mir das.
Mit dem Paardenservice, der immer noch mein Hauptbetrieb ist, habe ich damals angefangen, zu Beginn mit Hufpflege. Dann bin ich aber sehr schnell zur Thermografie gewechselt, die ich seit 2008 nur noch mache.

„Meine Kunden wollten von mir lernen, wie Thermografie bei Pferden funktioniert.“

Dann habe ich gemeinsam mit einem Tierarzt ICETD aufgebaut, meinen Schulungsbetrieb. Denn weil ich mich so intensiv mit Thermografie beschäftigt habe, kamen immer wieder Kunden und wollten von mir lernen, wie die Methode funktioniert und was man damit alles machen kann.
Zum Schluss habe ich mit Karin Equicare-Plus gegründet. Gemeinsam machen wir die Komplettuntersuchungen. Thermografie wird nämlich nicht bezahlt, wenn kein Tierarzt dabei ist. Ich bin also Karins Assistent, sie unterschreibt die Rechnungen und die Versicherung bezahlt.

Allein daran erkennt man, wie viel Freude Sie an Ihrer Arbeit haben. Haben Sie schon immer mit Pferden gearbeitet?
Nein. Damals hatte meine Frau Pferde und ich habe mich immer mehr und immer intensiver damit beschäftigt. Irgendwann stellte ich mir die Frage: „Ich habe einen sehr guten Marketing-Job und verdiene sehr viel Geld, aber bin ich glücklich?“

„Für die Pferde habe ich meinen sehr gut bezahlten Marketing-Job an den Nagel gehängt.“

Dann habe ich meinen eigenen Betrieb, den Paardenservice, gestartet. Er kostet Geld, aber ich bin sehr glücklich.

Was können Sie mit Thermografie-Untersuchungen alles sehen und herausfinden?
Im Prinzip sehe ich, wo die Probleme liegen, also den Ursprung. Im Lauf der Zeit haben wir herausgefunden, dass alles miteinander in Zusammenhang steht. Wenn wir

Auf Wärmebildern erkennt man leichter Entzündungen oder Fehlstellungen

Auf Wärmebildern erkennt man leichter Entzündungen oder Fehlstellungen

zum Beispiel Probleme im Rücken finden, kann das auf Brust- oder sogar Beinproblem hinweisen. In den meisten Fällen finden wir die Ursachen in den Wirbeln. Das geht natürlich nicht nur bei Pferden. Wir haben auch schon Bären, Elefanten, Vogelstrauße, Esel und Hunde untersucht.

Was ist vor einer Untersuchung wichtig?
Das Tier muss trocken sein und zwei Stunden vor der Untersuchung darf es nicht in der Sonne oder im Wind stehen oder angefasst werden. Denn zum Beispiel Wasser ist kalt und ist dann bei Thermografie-Aufnahmen als kalter Film zu sehen und wir messen nicht die Temperatur des Pferdes, sondern die des Wassers. Wenn das Pferd schmutzig ist, messen wir die Temperatur des Schmutzes, Sonne erhöht die Körpertemperatur und verfälscht so die Ergebnisse. Wenn Sie das Pferd vorher anfassen, sehen Sie auf der Aufnahme Ihren Handabdruck. Deshalb bringen wir die Tiere zwei Stunden vor der Untersuchung in einen Raum, wo weder Sonne noch Wind ist.

Wie viele verschiedene Kameras haben Sie schon ausprobiert und welche Unterschiede haben Sie festgestellt?
Ich glaube, ich habe mittlerweile von allen Fabrikanten die Kameras getestet. Die größten Unterschiede liegen bei Preis und Qualität. Die Preise vieler Hersteller sind in meinen Augen viel zu

„Bei Trotec stimmen Preis, Service, Unterstützung und Qualität.“

hoch. Ich habe auch mit allen gesprochen, aber die meisten wollen nichts ändern.
Gerade Preis, Service, Unterstützung des Herstellers und Qualität des Produktes sind für mich sehr wichtige Punkte. Trotec geht immer auf meine Fragen und Kritiken ein.

Gibt es Funktionen bei Kamera und Software, die für Sie auf keinen Fall fehlen dürfen?
Auf jeden Fall. Zum Beispiel können wir mit unserer Kamera, der IC080 LV, auch Infrarot-Videos in Realtime machen. Das ist zum Beispiel bei Hunden sehr hilfreich, denn die sind für Fotos viel zu unruhig, weil sie nie stillstehen.
Auch die Entwicklung der Software ist mir wichtig. Für mich ist es zum Beispiel wichtig, dass ich auch in der Software noch spezielle Temperatureinstellungen der Aufnahme verändern kann. Das kann nur IR Report von Trotec.

Herr Arendse, die berühmten letzten Worte. Was möchten Sie unseren Lesern noch unbedingt sagen?
Ich möchte noch einmal auf die Frage zurückkommen, was in Zukunft passieren wird und wie die weitere Entwicklung ist. Ich denke, dass es noch viele Möglichkeiten für die Verwendung von

„Bei thermografischen Untersuchungen stehen wir erst am Anfang. Es gibt jeden Tag Neues zu entdecken.“

Thermografie gibt, die wir noch nicht benutzen, weil wir noch keine Zeit hatten, uns damit zu beschäftigen. Ich will damit sagen, dass es so spannend ist, weil ich immer wieder neue Dinge bei meinen Untersuchungen entdecken kann. Wir stehen erst am Anfang.
Ich möchte auch noch sagen, dass wir nicht nur hier, sondern auch in Deutschlang, Belgien und sogar in Großbritannien Kliniktage veranstalten. Dort halte ich Präsentationen, um unsere Erfahrungen mit Thermografie in der Tiermedizin zu erklären und um das gesamte Thema zu promoten. So soll es weiter gehen. Als nächstes möchte ich gerne den Markt in Deutschland erschließen. Der ist 50 bis 70 Mal größer als in Holland.

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